
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge
Warum es wichtig ist, beide Gefühle zuzulassen
Die Fachzeitschrift "Psychotherapeut" zeigt die Verbindungen von Lachen und Weinen auf und warum es wichtig ist, beiden Gefühlen ihren Raum zu lassen.
Der Volksmund sagt "Lachen und Weinen liegen nahe beieinander". Beides sind starke Gefühle, die unsere innerste Emotion nach außen kehren. Aber hinter Lachen und Weinen steckt mehr. Warum weinen wir überhaupt? Warum fällt dies manchem leicht und warum können manche Menschen gar nicht weinen? Und, warum ziehen viele Menschen es vor zu Lachen, obwohl ihnen vielmehr zum Heulen zumute ist? Ein Artikel in der Springer Facharztzeitschrift Psychotherapeut geht diesen Fragen nach.
Emotionales Weinen bleibt dem Menschen vorbehalten
Unumstritten bleibt das emotionale Weinen allein dem Menschen vorbehalten. Tiere hingegen sondern sogenannte "reflektorische" Tränen ab, ausgelöst durch Wind, Kälte oder Schmutz. Untersuchungen zeigen auch eindeutige Unterschiede in der chemischen Zusammensetzung von reflektorischen und emotionalen Tränen. Über die Ur-sache von Weinen gibt es von je her unterschiedliche Auffassungen. Neben Darwins Theorie (1872), Tränen seien ein reines Kühlsystem, erklärte John B. Watson (1928) das Weinen sogar für unsinnig und schädlich. Heute noch warnen viele Kinderärzte davor, das Weinen von Kleinkindern zu sehr zu beachten, obwohl diese Theorie bereits mehrfach widerlegt worden ist. In jedem Fall entlädt sich durch das Weinen ein stark aufgeladener Gefühlszustand. Physiologen bezeichnen das Weinen auch als ei-ne "Entgiftungsfunktion" des Körpers. In Japan gibt es seit geraumer Zeit sogar Wein-Workshops für Mitarbeiter einer Firma. Denn dort ist man der Ansicht, dass das gemeinsame Weinen die "Teamkohäsion", also die Leistung in einem Team, fördert.
Studie untersuchte Weinfähigkeit
Eine kürzlich angelegte Studie stellt die Weinfähigkeit von Probanden in Zusammenhang mit ihrem gesundheitlichen, seelischen Zustand unter Bewertung ihrer jeweiligen Beziehungsfähigkeit. In ersten vorläufigen Ergebnissen stellt die Studie fest, dass die Menschen, die vermehrt weinten, häufiger unter Schmerzstörungen, Angst und Depression litten. Am wenigsten weinten Patienten mit Essstörungen oder Gesunde. Die Studie belegt ebenfalls, dass weniger weinende Menschen dafür mehr Aggressionen oder Ekel zeigten, sogar lächelten oder lachten sie vermehrt in traurigen Situationen. Da ihr Lachen eher kontrolliert als spontan wirkte, wurde es eher als eine Kompensation bewertet. Die Probanden, die vermehrt weinten, wurden zudem als die beziehungssicheren eingeschätzt. Wie lässt sich das Lachen anstelle des Weinen erklären?
Gründe für Lachen sind vielfältig
Der Mensch lacht aus vielen Gründen, auch um zu provozieren, zu verletzen, oder um einen gefühlten Schmerz zu mindern. Lachen hat damit auch eine unterbrechende Funktion. Schildert ein Mensch eine äußerst unangenehme oder gar gewalttätige Si-tuation aus seiner Vergangenheit, so erlangt er häufig durch ein kurzes Lachen wieder die nötige Fassung, um sich von dem Erlebten zu distanzieren. Er überspielt damit seine Verletzbarkeit. Findet er aber nach dem ersten kontrollierten Lachen zu seinem eigentlich Gefühl, dem Weinen zurück, so gestattet er seinem Gegenüber Einblicke in seine intimste Seite, er zeigt Beziehungssicherheit.Lachen, um nicht zu weinen ist eine überarbeitete Fassung eines Vortrags anlässlich der 58. Lindauer Therapiewochen 2008. Der Beitrag von PD Dr. phil. Cord Benecke, Institut für Psy-chologie, Innsbruck, erscheint am 27.3.2009 in Ausgabe 2/2009 der Zeitschrift Psychotherapeut. Der vollständige Artikel kann Journalisten vorab elektronisch zur Verfügung gestellt werden. Mehr unter: www.springer.com/medicine





