
Kindheit, Jugend und Depression
Mehr Aufmerksamkeit und Geborgenheit für die Kleinen
Wenn Babys und Kinder keine Zuwendung und Geborgenheit durch die Eltern erfahren, wirkt sich das unmittelbar auf ihren Gemütszustand aus. Bereits in der Kindheit kann sich daraus eine Depression entwickeln, die aber gut behandelt werden kann. Hier gilt: je früher, desto besser.
Der Mensch ist ein soziales Wesen, das von Beziehungen zu anderen Menschen lebt. Gerade in den ersten Lebensjahren ist eine enge Beziehung zu den Eltern ausschlaggebend für die seelische Gesundheit im Leben. Erfahren Kinder von Anfang an Zuwendung und Geborgenheit, dann sind sie im späteren Leben vor vielen Dingen geschützt. Ist dies nicht der Fall, kann sich bereits in jungen Jahren eine Depression entwickeln. So haben etwa 1% der Kinder unter sechs Jahren, 2% der Schulkinder und etwa 5% der Jugendlichen depressive Störungen. Im ersten Lebensjahrzehnt erkranken überwiegend Jungen, im zweiten überwiegend Mädchen.
Kinder zeigen andere Symptome als Erwachsene
Depressionen äußern sich bei Kindern vornehmlich durch körperliche Symptome. Dies hängt damit zusammen, dass Kinder erst ab dem achten Lebensjahr Gefühle äußern können. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über mögliche Anzeichen einer depressiven Störung bei kleinen Kinder:
- Kleinkinder von ein bis drei Jahren wirken traurig, sind ängstlich und schüchtern, weinen schnell oder werden schnell zornig, haben keine Lust zu spielen, lutschen viel am Daumen oder spielen mit den Geschlechtsteilen und wiegen sich hin und her.
- Vorschulkinder von drei bis sechs Jahren wirken traurig oder apathisch, ziehen sich zurück oder reagieren aggressiv, leiden unter Albträumen und wachen nachts auf, haben keine Freude am Spielen, verlieren Gewicht oder nehmen stark zu und bewegen sich ungern.
- Schulkinder erzählen, dass sie traurig sind, sprechen über Selbstmord, haben Schwierigkeiten in der Schule, fühlen sich von den Eltern vernachlässigt, haben unbegründete Schuldgefühle und ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit.
Je älter Kinder werden, desto mehr gleichen die Symptome denen von Erwachsenen.
Psychosoziale Faktoren spielen die Hauptrolle
Das soziale Umfeld, in dem Kinder und Jugendliche aufwachsen, ist ein besonders wichtiger Faktor für die Entwicklung von Depressionen in jungen Lebensjahren. Anders als bei Erwachsenen spielen physiologische Vorgänge im Gehirn hingegen keine entscheidende Rolle. Umstände, die eine Depression fördern können, sind:
- Eine überbehütete Kindheit, die selbstsicheres und unabhängiges Verhalten wenig fördert
- Frühe Beziehungsstörungen
- Scheidung der Eltern oder Tod eines Elternteils
- Körperliche oder psychische Misshandlung
- Psychische Erkrankung der Eltern
- Schulische Über- oder Unterforderung
- Das Fehlen von Freunden bzw. andauernde Konflikte mit Mitschülern
Mit der Pubertät nimmt die Zahl der Depressionen zu
Etwa die Hälfte aller depressiven Störungen bei Kindern treten zwischen dem elften und vierzehnten Lebensjahr auf. Mit der Pubertät nimmt die Zahl der Depressionen zu, ebenso die Häufigkeit von Selbstmordgedanken, Selbstmordversuchen und vollendeten Suiziden. Vor der Pubertät gibt es keinen deutlichen Unterschied in der Depressionshäufigkeit zwischen Mädchen und Jungen. Nach der Pubertät sind jedoch wesentlich mehr Mädchen als Jungen depressiv. 15- bis 19-jährigen Frauen haben die höchste Suizidversuchsrate aller Altersgruppen: 340 je 100.000 Einwohner. Doch auch die männliche Suizidrate hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen.
Der Reifeprozess der Jugendlichen geht mit zahlreichen neuen Erfahrungen des sich Verliebens, Trennens oder der Ablösung vom Elternhaus einher, was Phasen der Verunsicherung und Ängste mit sich bringt. Diese könnten ein Auslöser für Depressionen und/oder Suizidgedanken sein. Aus einer Langzeitstudie, die am New York State Psychiatric Institute durchgeführt und im American Journal of Psychiatry veröffentlicht wurde, geht beispielsweise hervor: Jugendliche, die an so genannten subklinischen Symptomen leiden das sind Symptome, die als nicht so ernst angesehen werden, dass ein Arzt aufgesucht wird werden mit einer zwei- bis dreimal so hohen Wahrscheinlichkeit wie andere Jugendliche im Erwachsenenleben Depressionen haben.
Zwar wird nicht jeder Teenager mit depressiven Symptomen später das Vollbild einer Depression entwickeln, doch so das Ergebnis sollten Eltern mit ihrem Kind professionelle Hilfe suchen, wenn die Beschwerden zu Problemen in der Schule oder in sozialen Beziehungen führen. Solche Beschwerden können chronische Schuldgefühle, Müdigkeit, Appetitmangel, Schlaf- oder Konzentrationsstörungen sein.





