Winterlandschaft

Saisonal abhängige Depression

Jeder Dritte wird vom "Winterblues" heimgesucht

Im Winter sinkt mit den Temperaturen auch die Stimmung vieler Deutscher. Mit ein paar Tricks lassen sich Stimmungstiefs und Antriebslosigkeit vertreiben.

Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Heißhungerattacken, Stimmungsschwankungen und Konzentrationsschwächen – dies sind die Mitbringsel, die der Winter einer Umfrage zufolge für fast jeden dritten Deutschen bereithält. Das Meinungsinstitut Forsa befragte im Auftrag der Techniker Krankenkasse 1026 Bundesbürger ab 18 Jahren zu ihrer Wintertauglichkeit.

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Frauen scheinen stärker unter den kürzer werdenden Tagen und dem Temperatureinbruch zu leiden als die Herren der Schöpfung. 36 Prozent der Frauen und nur 24 Prozent der Männer berichten, dass ihnen der Winter Jahr für Jahr aufs Gemüt schlägt. Sie leiden an einer „saisonal abhängigen Depression“, kurz SAD. Lediglich jeder achte Bundesbürger ist vor solchen Beschwerden gefeit und fühlt sich gerade bei Dunkelheit und Nieselregen pudelwohl.

Lichtmangel bringt den Hormonhaushalt durcheinander

Ausgelöst wird das Stimmungstief hauptsächlich durch den winterlichen Lichtmangel. Licht hemmt die Produktion des Hormons Melatonin, das unter anderem den Schlaf- und Wach-Rhythmus des Körpers beeinflusst. Wenn es dunkel ist, wird das Schlafhormon Melatonin auch am Tag vermehrt produziert. Daher fühlen sich viele Menschen im Winter schläfrig, unkonzentriert und antriebslos. Ohne Licht schüttet der Körper außerdem geringere Mengen des "Glückshormons" Serotonin aus.

In schweren Fällen haben Betroffene nicht nur mit Stimmungsschwankungen zu kämpfen, sondern sind nicht mehr in der Lage, sich im Privat- oder Berufsleben zu etwas aufzuraffen. Viele fühlen sich über Monate wie gelähmt und selbst kleine Erledigungen werden zum Kraftakt. Freunde reagieren häufig mit kontraproduktiven Kommentaren wie "Lass dich nicht so gehen". Als Folge isolieren sich die Betroffenen und die Abwärtsspirale verstärkt sich noch. In solchen schweren Fällen raten Experten zur genauen Abklärung des Krankheitsbildes durch einen Arzt. Bei Bedarf kann er sogenannte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer verschreiben, die aktivierend wirken und die trübe Stimmung wieder aufhellen.

Spaziergänge sind die beste Therapie bei SAD

Wer von einem vorübergehenden Stimmungstief befallen ist, sollte sich nicht im Bett verkriechen und auf bessere Zeiten warten, sondern die Schuhe schnüren und einen Spaziergang unternehmen. Dass das nicht immer so leicht ist, zeigt die jüngste Umfrage. Bei Nieselregen und Nebel bleiben sechs von zehn Menschen lieber zu Hause und lenken sich mit Computerspielen oder Fernsehen ab. Damit bringen sie sich jedoch um das wenige winterliche Tageslicht und damit um stimmungsaufhellende Endorphine. Dabei muss es auch nicht immer ein langer Spaziergang sein. Schon eine viertel Stunde an der frischen Luft hilft laut TK-Psychologe York Scheller, um das Stimmungstief zu vertreiben.

Was Betroffene sonst noch gegen den Blues tun können

Bringen Spaziergänge allein keine Besserung, hilft eine künstliche Lichtdusche. Entsprechende Lampen stahlen mit 10 000 Lux besonders stark. So mancher Hausarzt bietet die mehrwöchige Lichttherapie für Patienten mit SAD an. Wer am liebsten zuhause Kunstlicht tankt, kann die Therapielampe für etwa 200 Euro im Fachgeschäft erwerben. Für einige Wochen heißt es dann jeden Morgen für etwa 30 Minuten unter die Lichtdusche. Binnen zwei Wochen sollen sich Stimmungstiefs und Antriebslosigkeit deutlich bessern. Wer dann noch eine Runde joggen geht oder sich aufs Rad schwingt und kräftig in die Pedale tritt, wird mit reichlich stimmungsaufhellenden Endorphinen belohnt.

Auch eine ausgewogene Ernährung kann stark gegen miese Stimmung im Winter machen. Besonders wichtig für das Wohlbefinden ist der Mineralstoff Magnesium. Er regt das Nervensystem an und schützt vor Stress. Reich an Magnesium sind etwa Milch- und Vollkornprodukte, Bananen und Geflügel. Auch süße Snacks wie Schokolade oder würzige Muntermacher wie Chili kurbeln die Serotoninproduktion an und sorgen für gute Laune.


Quelle: Nach Informationen der Techniker Krankenkasse (TK)
Autor: Sibylle Fünfstück
Stand: Oct 30, 2009


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